Das Blitzschnell-Miracoli-fake-Vielseitigkeits-homemade-Wunder: Rohe Tomatensoße

Rohe Tomatensoße #rezept #gourmetguerilla #vegan

„Mamaaaaaa!” kräht es mal wieder lautstark aus dem Wohnzimmer. „Mamaaaaaaaaaa! Kannst Du mal kommen?” – „Bitte mal kommen”, ergänze ich im Geiste, durchschreite leichtfüßig den 8,5 Meter Altbauflur, weiche gekonnt ein paar Playmobil-Indianern und dem Erdmännchenbau aus (Ha, DIESES Mal steckst du nicht spitz in meinem Fuß, du Plastik-Pest!) und betrete das chaotische Wohnzimmer. Er sitzt in Papas Sessel, hat sämtliche verfügbare Spielzeugautos um sich herum aufgeschichtet und guckt seine Lieblingssendung auf KIKA. Ohne den Blick von der Mattscheibe zu nehmen, formuliert er laut und klar seine Forderungen: „Ich will Spaghetti mit Tomatensoße!”

Ich erspare dem geneigten Blogleser an dieser Stelle die darauf folgende, verbal ausgetragene erzieherische Situation. Es werden dabei auf jeden Fall Punkte wie höflicher Umgang mit Mitmenschen, Aufräumverhalten, Guck-mich-gefälligst-an-wenn-ich-mit-Dir-spreche, Bitte, Danke, Kinder, die was wollen usw. sowie weitere gesellschaftsrelevante Themengebiete angesprochen. Alles Dinge, die ich niemals sagen wollte. Früher.

Zum Schluss wirft er mürrisch ein paar Spielzeugautos in die dafür vorgesehenen Kisten und ich stapfe (schon viel weniger leichtfüßig) zurück durch den Flur in die Küche. Ich bin ein Moos, ein Stein, ein plätschernder Bach – ich bin total ruhig und gelassen – und ich habe weiterhin eine Aufgabe: Tomatensoße mit Tortiglioni machen. Spaghetti sind nämlich aus.

Die Tomatensoße vom Bioladen mit dem Tiger auf dem Glas leider auch, wie ich bei einem kurzen Check im Vorratsschrank festellen muss. Hm. Spontan und aus der Situation heraus beschließe ich, dass man auch mal ein Soßen-Experiment wagen kann. Immerhin ist die Stimmung ja eh schon angekratzt. Nervenzusammenbrüche wegen einer falschen Tomatensoße stecke ich da doch auch noch mit links weg.

Und so kommt es, dass rohe rote Paprika, Tomatenmark, Gewürze und sogar eine Zwiebel sich ein paar Augenblicke später zusammen im Mixer wiederfinden. GRRRRHRHHRHRHRRRRHHAAAAHHHHHKKRRRSCHHHHHHBBBRRRRRR! Ein schönes Geräusch. Wahnsinnig entspannend.

Heraus kommt eine kalte Soße, die verdächtig nach Miracoli schmeckt – nur viel fruchtiger, frischer und … feiner. Wahnsinn! Meine Stimmung hebt sich merklich. Ich bin begeistert und probiere immer wieder von der Soße, während ich in den kochenden Nudeln rühre. Dabei fallen mir immer neue Kombinations- und Einsatzmöglichkeiten ein. Frische Kräuter machen sich bestimmt gut, Chili, geräucherte Paprika, Frühlingszwiebeln, gebratener Speck … sie geht sogar als homemade Ketchup durch und auf jeden Fall als Dipp zu so ziemlich allem.

Da fehlt nur noch die Soßenprobe aufs Exempel am lebenden Objekt. Ich trage die Nudeln mit Tomatensoße ins Wohnzimmer. Da sitzt das lebende Objekt artig im Sessel und sagt „Hallo Mami, das sieht aber gut aus. Danke, dass Du mir Nudeln gemacht hast. Warte, ich nehme Dir den Teller ab. Oh, und die tolle Tomatensoße. Hmmmmmm … das ist die beste Tomatensoße, die ich je gegessen habe.”

Ich glaube ihm, denn ich habe sie ja selbst gerade ausgiebig probiert.

Leichtfüßig hüpfe ich wieder in die Küche.

Und so geht´s für 4 – 6 Portionen:

Serviervorschlag: Rohe Tomatensoße auf knallheißen Nudeln mit Käseschnee …

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