Provenzalisches Huhn nach Alfred Biolek #rezept #gourmetguerilla © 2012 Mel. All rights reserved.

Das schnellste provenzalische Huhn der Welt. Oder: Lieber Alfred Biolek, vielen Dank für alles.

Es mag jetzt vielleicht etwas überraschend kommen (manche mögen es aufgrund der Headline eventuell auch schon geahnt haben), aber ich möchte dieses Rezept Alfred Biolek widmen. Und das, obwohl es eigentlich von ihm stammt. Trotzdem – oder eben genau deswegen. Es ist nämlich nicht nur einfach ein Rezept, sondern ein herziges Stück Erinnerung.

Ich sehe ein, das muss ich jetzt ein bißchen näher erklären. Also: In erster Linie führe ich meine Liebe zum Kochen auf meine Oma zurück. Für weitere Initialzündungen sorgten dann mein Englisch- und Philosophie-Lehrer Dr. Reinhold Hülsewiesche mit seiner fantastischen Pastasoße beim Klassenkochen und – dauerhafter – Herr Biolek. Als Oma nämlich nicht mehr da und ich an die Uni gewechselt war, erschien irgendwann Herr Biolek auf meinem Fernseh-Radar, kochte plaudernd mit seinen Gästen und sorgte so dafür, dass ich mir zu Weihnachten mein erstes eigenes Kochbuch wünschte: Kochen mit Bio.

Kurz darauf kaufte ich außerdem ein Sofa von IKEA 2. Wahl in Dorsten, trieb eine Menge buntes Geschirr und alte Töpfe auf dem Flohmarkt in Recklinghausen auf, zog von zu Hause aus und landete mit all dem Kram und zwei Kochplatten schließlich in einer winzigen 2-Zimmer-Wohnung in der Ewaldstraße in Herten. Immerhin unglaublich abnabelnde 400 m Luftlinie von der Wohnung meiner Eltern entfernt.

Damals fing ich an, ganz neue und unbekannte Dinge zu kochen. Zum Beispiel das köstliche Schnellste Huhn der Welt von Seite 100 aus Kochen mit Bio. Ich weiß noch, wie ich damals für mich komplett neue Geschmackswelten entdeckte und schließlich stolz meine Mutter zum Essen einludt. Ich bin mir allerdings nicht mehr sicher, ob meine Haare zu diesem Zeitpunkt in einem entzückenden Hellblau oder blendendem Orange gefärbt waren … Es gab auf jeden Fall das provenzalische Huhn mit grünen Bohnen und Reis. Mit eine Kippe im Mund stand ich Revolutionärin der Küche glücklich vor meinen Kochplatten und rührte in den bunten alten Töpfen. Meine arme Mutter, die Zigarettenqualm noch nie sonderlich gut vertragen konnte, wurde ziemlich schnell ziemlich grün im Gesicht, hielt aber tapfer durch und verzehrte mit mir anschliessend sogar einträchtig das Huhn. Ich glaube, es hat ihr trotz allem geschmeckt. Sorry, Mami. Ich war erst 19. (A.d.V.: Ich habe vor Ewigkeiten mit dem Rauchen aufgehört).

Das tolle Huhn ist irgendwann tatsächlich ein bißchen in Vergessenheit geraten – es wurde seit Jahren nicht mehr von mir gekocht. Doch als mir letztens beim wirklich gründlichen Aufräumen des Büchregals das staubige Exemplar Kochen mit Bio in die Hände fiel, habe ich mich plötzlich an alles erinnert. Es ist nach wie vor ein sehr einfaches und köstliches Gericht mit einer raffinierten Note. Man darf nur nicht zu wenig von einem sehr guten Wermuth in den Topf kippen. Die Kombination von Butter, Creme Fraiche, Tomaten, Knoblauch und Thymian macht das ganze dann perfekt – und einfach unwiderstehlich. In diese Soße will man sich am liebsten reinlegen.

Also, vielen Dank lieber Herr Biolek für ein großartiges Abnabelungsgericht und all die kulinarischen Erinnerungen. (Ähm, gibt es die Kategorie „Abnabelungsgericht” eigentlich?)

Meine Lieblings-Folge von alfredissimo im TV ist übrigens die mit Helmut Berger und seinen Spaghetti Vongole. „Maria, poliere, poliere!” Einfach göttlich. Und auf dieser DVD zu sehen. Danke auch dafür.

Huhn in provenzalischer Tomatensoße auf einem grauen Teller mit gewelltem RandHuhn in provenzalischer Tomatensoße auf einem grauen Teller mit gewelltem Rand

Und so geht´s für 4 Personen:

2 doppelte Hühnerbrustfilets ohne Haut und Knochen (vorzugsweise Bio oder Freilandhaltung aus Eurer Umgebung) waschen und trockentupfen. Das Fleisch in ca. 4 größere Streifen schneiden.

In einer Pfanne 1 EL Butter und 1 EL Olivenöl stark erhitzen und das Hühnchen darin scharf ca. 4 Minuten von beiden Seiten anbraten, bis es gebräunt ist.

3-4 Knoblauchzehen pellen und grob hacken. Den Knoblauch mit 3 EL Paprika Edelsüß ganz kurz in die Pfanne rühren, dann mit 1 großen Dose geschälte Tomaten ablöschen. Die Hitze reduzieren, 1 TL getrockneten Thymian, 1 TL Salz und 1/8 Liter Wermuth zugeben und mit einem Deckel bedeckt ca. 15 Minuten köcheln lassen.

1 Becher Sahne und 1 Becher Creme Fraiche (JAAA!) in die Pfanne rühren und nochmal 5 Minuten köchlen lassen, bis die Soße sämig ist.

Meine persönliche Empfehlung: Ganz zum Schluss noch einen kleinen Extra-Stratz Wermuth in die Soße rühren und mit Salz kräftig abschmecken.

Tipp: Zum provenzalischen Huhn passen Reis und grüne Bohnen oder einfach nur ein Stück knuspriges Baguette.

Und eine Bitte: Kocht das Huhn bitte auf keinen Fall zu lange in der Soße, sonst wird es hart und quietschig. In Deutschland hat man ja eine erstaunliche Panik vor Salmonellenvergiftungen. Aber gebt dem Huhn eine Chance – es sollte natürlich durch, aber innen noch ein klein wenig feucht und saftig sein.

Huhn in provenzalischer Tomatensoße mit Reis und gruenen Bohnen

 

 

 

GourmetGuerilla - Provenzalisches Huhn nach Alfred Biolek

29 Comments

  1. Christina

    wow! Tolle Bilder und hmmm, dass ich will ich jetzt sofort essen!
    Welche Schriftarten hast du den benutzt? Die sind wirklich hübsch
    LG Chrissi

    • Mel

      Hallo Chrissi, danke für die Blumen ;-) Die Schriften kann ich Dir heute abend mal raussuchen. Liebe Grüße! Mel.

  2. Guter Mann, keine Frage. Leider ist mit ihm auch irgendwie die schöne Tradition sich in einer Kochsendung zu besaufen abhanden gekommen. Vielleicht wär das eine Idee für ein künftiges Event – Youtube-Channel: Deutsche-Foddblogger-machen-betrunken-Filmchen-beim-Kochen. Oder so…

    Oh – UND – mit Bios Bahnhof ist auch Peter Herbolzheimer aus dem deutschen Fernsehen verschwunden. Der ist mittlerweile leider sowieso von uns gegangen, was dann ein doppelt herber Verlust ist :-(

    • Mel

      Chef Aitsch, da muss man ja gar kein großes Event ausrufen, sondern einfach abends bei uns die Kamera draufhalten, gell ;-) An Bios Bahnhof kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern … muss ich gleich mal googeln. Liebe Grüße! Mel.

    • Dann muss das mal jemand machen ;-) Aber das wär ja vielleicht wirklich was – wir machen eine Skype-Session, kochen das gleiche Gericht, betrinken uns und lassen uns nebenher filmen. Dann schneidet das jemand mit Talent zusammen und wir sind das nächste große Ding auf Youtube ;-)

  3. Christina

    das wäre toll :)
    Danke Mel!

  4. Also, bei der Session wär’ ich dabei! Ich habe übrigens auch mit Bio “kochen gelernt”. Mein erstes Gericht war noch in der elterlichen Küche das Chili con Carne nach Dirk Bach aus dem grünen Bio-Kochbuch (war das das erste?). Und dann die Salbei Gnocchi von Franca Magnani – beide (Bach und Magnani) nicht mehr unter uns. Ich glaube, dass Biolek extrem viel getan hat für das Kochen mit Freunden, einem entspannten Gläschen in der Hand usw. Das kann man erst mit etwas Abstand richtig einschätzen. Dein Provencalisches Huhn gefällt mir gut. Muss ich mal nachmachen…

    • Mel

      Hallo Julia, jaaaa – an das ominöse Chili von Dirk Bach kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Und an Bioleks völlig entsetzen Blick, als eine Dose nach der anderen mit Mais, Bohnen und Co. in den Topf wanderte. Herrlich ;-) Kennst Du auch die grandiose Folge mit Helmut Berger?

  5. Wie cooool! Kochen mit Bio habe ich schon total vergessen. Danke für die herrliche Erinnerung. :-) Am Liebsten erinnere ich mich an die Folge mit Campino von den Toten Hosen. Da prallten Welten äußerst amüsant aufeinander. Die Bücher hatte ich auch mal. Aber leider finden verliehene Bücher ja oft den Weg nicht zurück ins kochende Heim.

    Viele Grüße
    Kathi

    • Mel

      Kathi, ich bin auch ganz knapp davor, mir einfach die ganzen DVDs zu bestellen. Oder ob das nochmal irgendwann im TV wiederholt wird? Liebe Grüße! Mel.

  6. Das sieht SO lecker aus!!! Mir läuft gerade das Wasser im Munde zusammen. Ein heisser Favorit für das morgige Abendessen. Bei dem Wetter kriegen mich heute keine zehn Pferde mehr vor die Tür, respektive zum Supermarkt. Liebe Grüße, Lisa

  7. Ist ja unglaublich, Du kommst ja hierher, also quasi von hier bei mir. RE und Dorsten. :o))

    Das Hühnchen wird auf jeden Fall versucht, denn die Kochbücher von Bio waren auch mit meine ersten. Nur nach einer missglückten Bohnensuppe habe ich sie erst mal weiter nach hinten ins Regal geschoben. *schäm*

    Die Folge mit Dirk Bach habe ich übrigens auch gesehen, ebenso die mit Sophia Loren. Das war echt schön. :o))

    • Mel

      Ja Maren, ich bin eine echte Ruhrpottpflanze ;-) Und viel Spaß beim Nachkochen!

    • Liebe Mel,

      endlich haben hatten wir die Gelegenheit das Rezept zu probieren. Wir sind ganz begeistert. Das wird es sicher noch öfter bei uns geben. Wir werden jedoch versuchen, es ein wenig zu “verschlanken”.

      Ganz liebe Grüße,
      Maren

  8. Hallo Mel, habe das Ganze heute spontan nachgekocht und es landet sofort auf meiner Favoritenliste. Vor allem der Wermut ist in der Kombination ja der Knaller! Konsequenz: habe die ganze Portion selber aufgegessen – ohne lästigen Reis:D
    Viele Grüße!

    • Mel

      Hallo Charlie, wer braucht auch schon Kohlenhydrate, wenn er Soße haben kann ;-) Toll, dass es Dir geschmeckt hat. Liebe Grüße! Mel.

  9. *lächel* das ist seit jahren unser familienfestklassiker :) ich liebe dieses essen! (hab gerade gestern an der veganisierten version für meinen blog gearbeitet….zufall??) lg*

    • Mel

      Hallo Anja, sag unbedingt Bescheid, wenn die vegane Version online geht. Dafür interessiere ich mich sehr! Danke und liebe Grüße, Mel.

  10. :) mach ich gern! ein bisschen geduld wird es aber wohl noch brauchen! lg*

  11. Susanne

    Herrlich! :-)

    Da haben wir etwas gemeinsam: “Kochen mit Bio” war auch eines meiner allerersten Kochbücher und “alfredissimo” die erste Kochshow, die ich mir regelmäßig angeschaut habe. Seinerzeit wohnte ich in Köln, studierte noch – aß also meistens in der Mensa – und nutzte eine Signierstunde mit Bio bei der Mayerschen zum Erwerb…

    … ich glaub fast, ich muß heute abend mal wieder hineinschauen ;-)

  12. Schmunzel :-). Extra-Stratz Wermuth. Yeah! Ich habe Bio immer so gerne gesehen. Ein Hoch auf den Küchenwein. Hat uns alle nachhaltig beeinflusst, wie es scheint ;-). Großartiges Rezept. Hört sich frisch fruchtig an. Viele Grüße Alex

  13. Liebe Melanie, ich habe dein Rezept heute nachgekocht: KÖSTLICH! Auch wenn ich statt Thymian – Oregano genommen habe, Kräuter der Provence wären wahrscheinlich besser gewesen… und keine Crème Fraiche hatte… Ich muss gestehen ich habe auch etwas weniger Knobi genommen… Eine Frage hätte ich noch: Esst ihr immer mit Holzbesteck oder nur fürs Foto?? ;-) Liebe Grüße Bianca

    • Mel

      Liebe Bianca, wie schön, dass es Euch geschmeckt hat, FREUDE! ;-) Wir essen auch tatsächlich hin und wieder mit Holzbesteck, das beim Spülen wieder richtig sauber wird (so wie Holzbretter). Mit der Einweg-Variante geht das aber nur sehr eingeschränkt, Besteck aus Bambus funktioniert dagegen prima. Tipp: Nach dem Spülen ein bißchen einölen. Deine Holzgabel-Expertin Mel.

  14. Das sieht ja richtig lecker aus! Und tolle Fotos! =)
    Liebe Weihnachtsgrüße,
    Marie von http://www.schaetzeausmeinerkueche.wordpress.com

  15. Vielen tausend Dank für dieses wundervolle Rezept! Meine Mitesser und ich waren allesamt total begeistert! Meinen Beitrag dazu hast du ja schon gesehen ;) Das gab es auf jeden Fall nicht zum letzten Mal!!

    Liebe Grüße, Ann-Katrin <3

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