Melone Space Invader

Melone Space Invader #gourmetguerilla #rezept #kinder #obst

Melone Space Invader #gourmetguerilla #rezept #kinder #obst„Maaaaamaaaaaaaaa, kannich Nintendo?” Mein herzensallerliebster Sohn spricht zu mir. Und zwar ohne Verben und Artikel. Dafür in diesem gewissen Leierton, bei dem sich mir immer sofort die innerlichen Nackenhaare aufstellen. Ich ahne Fürchterliches. Na dann wollen wir mal.

Ich lege das Messer aus der Hand, mit dem ich gerade eine Melone schneide und drehe mich zu ihm um. Er lehnt mit Leichenbittermine an der Wand. „Kannich?” fragt er. Ich entscheide mich spontan dafür, heute mal die Spracherziehung zu überspringen und direkt auf das Inhaltliche einzugehen. Jetzt bloß nicht mit Kriegsschauplätzen verzetteln, sonst wird es ganz wild. „Liebling, Du hast heute morgen doch auch schon Fernsehen geschaut. Daher gibt es jetzt kein Nintendo.”

Ein Tiefdruckgebiet so groß wie Niccaragua zieht in unserer Küche auf und setzt sich auf der Stirn meines Sprößlings fest. Seine Unterlippe baumelt in Kniehöhe. „Mir is abba laaaaaaangweilig”, leiert er äußerst missgelaunt. Das wird schwieriger, als gedacht. Ich wende mich wieder meiner Melone zu.

„Lies doch mal was. Papa hat dir doch die tollen Comics gekauft, die du unbedingt haben wolltest. Und du hast noch den Sammelband mit den Fünf Freunden, den ich dir geschenkt habe. Das sind ganz tolle, spannende Geschichten. Als ich ein Kind war habe ich die geliebt.”

„Ich will nicht lesen. Ich will Nintendo”, leiert es hinter mir. Ich bewahre Haltung, atme tief und bin sehr stolz auf mich.

„Schatz, Lesen ist so wichtig, quasi der Grundstein von allem. Wenn du richtig viel Übung im Lesen hast, ist das auch gar nicht mehr anstrengend, sondern ganz toll. Es warten da ganz viele spannende Abenteuer auf dich und du kannst dich über alles, was dich interessiert infomieren, alles erfahren. Ist das nicht großartig? Ohne Lesen geht fast nichts.” Ich schneide die Melonenscheiben in Würfel.

„Stimmt nicht. Für Mathe braucht man kein Lesen”, leiert das 8 Jahre alte, energetische schwarze Loch in meiner Küche. „Lesen ist langweilig. Ich will LEGO Star Wars auf meinem Nintendo spielen. Das ist cool.”

„Doch, für Mathe muss man auch lesen können. Zum Beispiel für Textaufgaben”, werfe ich beschwingt in unsere erbauliche kleine Unterhaltung ein. „Na komm. Nur vier Seiten und wenn es dir dann immer noch keinen Spaß macht, überlegen wir uns was.”

Er beginnt, sich von der Küchenwand abzustoßen und lässt sich dann wieder mit Karacho zurückfallen. Rumms! Rumms! Rummmms! Ha, darauf werde ich doch jetzt nicht reagieren. Ich bin ja schon ein bisschen länger im Geschäft.

„Also kannich jetzt Nintendo?” Es klirrt heftig, weil er von der Wand abgerutscht und gegen mein Geschirrregal gestoßen ist.

„NEIN. Sag mal, hast Du mir überhaupt zugehört? Und hör jetzt auf, dich gegen die Wand zu werfen. Du bist doch keine drei mehr.” Langsam werde ich doch sauer. Wie impertinent er doch sein kann! Von mir hat er das selbstverständlich nicht. Von seinem Vater aber auch nicht. Das muss ein sehr entfernter Verwandter durchkommen. Tief atmen.

Ich bin sehr entschlossen, dieses Spiel zu gewinnen. Plan B muss her. Ich angele nach meinem Handy und schaue schnell etwas im Internet nach. Dann ordne ich die Melonenwürfel auf einem kleinen Tablett. Hinter mir an der Wand herrscht die Eiszeit. Man kann seine schlechte Laune quasi mit Händen greifen.

„So, mein Herzchen. LEGO Star Wars ist jetzt nicht drin. Aber einen Space Invader kannst du haben.” Ich präsentiere mein Melonen-Würfel-Tablett.

Das Kind vergisst vor Überraschung das Tiefdruckgebiet auf seiner Stirn und auch das Wand-Trampolin. „Was ist das?”, will er wissen. „Das sieht lustig aus!”.

„Das ist aus der Zeit, als es noch kein Nintendo gab und Mama und Papa ungefähr so alt waren wie du jetzt. Komm wir gehen ins Wohnzimmer und essen Melone. Dann erzähl ich dir alles über Space Invaders.”

„Ok!” Das Kind hüpft erwartungsvoll ins Wohnzimmer voraus. Ich mache schnell ein paar Fotos und trage dann das Tablett hinterher.

Dieses Spiel geht offenkundig an mich. Ich bin schon gespannt auf das nächste Level …

Für alle, die auch nochmal wollen: Space Invaders spielen.

Melone Space Invader #gourmetguerilla #rezept #kinder #obstMelone Space Invader #gourmetguerilla #rezept #kinder #obstMelone Space Invader #gourmetguerilla #rezept #kinder #obstMelone Space Invader #gourmetguerilla #rezept #kinder #obst

6 Comments

  • Hallo Mel,
    großartig geschriebener Beitrag und sooo wahr. Wasser auf meine Mühlen. Ich habe meinen drei Kindern vorgelesen bis mir der Mund fusselig wurde, damit aus diesen entzückenden Kindern entzückende lesende Kinder würden. So der Plan. Liest man ja überall: Wenn Kinder in Haushalten aufwachsen, in denen viel gelesen wird (ich lese Bücher nicht, ich inhaliere sie!!!) und viel vorgelesen bekommen, dann werden sie auch zu lesenden Kindern und Teenagern. Ha! Grau ist alle Theorie! Glatt gelogen. Meine immer noch (meistens) entzückenden Kinder lesen nur unter Androhung von Gewalt oder zwangsweise für die Schule (Deutsch LK etc.) Bei Langeweile ruft besonders der Kleine (11): Kannich FIFA? Die Großen befriedigen ihre derartigen Gelüste an ihren omnipotenten Smartphones…. oder chillen auf ihren Betten. Nur bei Abwesenheit von WLAN und anderem technischen Equipment wird evtl. mal zu einem Buch gegriffen – das ist aber wirklich (viel zu) selten.
    Irgendwie schade, oder?

  • Das ist eine Super Idee für einen Geburtstag. Man kann ja so ziemlich alles mit den Melonen legen. Ich glaube ich probiers mal mit dem Batman Logo… .)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *