{Mallorca} Eine unvorhergesehene Zoo-Safari, sprechende Luftmatratzen, Porto Christo und das Restaurant mit dem tollsten Blick der Welt

Vor uns flimmert die Hitze auf der kurvigen Landstraße. Die Klimaanlage in unserem Mietwagen surrt auf höchster Stufe und pustet mir kalte Luft ins Gesicht. Das unglaublich blaue Meer schimmert in ein paar hundert Meter Entfernung durch mein Seitenfenster. Ansonsten wechselt sich die rote, raue Erde hin und wieder mit weißen Häusern, ein paar Ziegenweiden mit Olivenbäumen und äußerst genügsamen Buschwerk ab. Es ist August und die Kleinfamilie ist auf Mallorca.

Das ganze war meine Idee. Ich war zuletzt vor 25 Jahren mit meinen Eltern im Club-Urlaub auf der Lieblingsinsel der Deutschen. Damals habe ich vor allem sehr viele braungebrannte Animateure, gut aussehende Belgier (sic!) und unzählige alkoholfreie Pina Coladas mit gewagten Schirmchenaufbauten gesehen. Aber so gut wie nichts von der Insel. Nachdem wir in den letzten beiden Jahren aufwendige Rundreisen durch Südengland sowie Schottland gemacht und dabei ungeheuer viele Kilometer gefressen haben, wollte ich in diesem Jahr etwas anderes. Sonne. Ein Haus für uns. Jede Nacht das gleiche Bett. Kleine Ausflüge. Das Meer. Den Strand. Und noch mehr Sonne. Und da sind wir jetzt also. 38 Grad im Schatten sind … beeindruckend wenn man ansonsten in Hamburg wohnt und fallen durchaus in die Kategorie „Sonne”.

Wir sind gerade auf dem Weg nach Porto Christo, einem Städtchen mit kleinem Yachthafen und ein bisschen Tourismus an der Ostküste. Es ist keine lange Fahrt und für eine heißen Tag erschien uns das ganze angemessen überschaubar. Der Mann nimmt rasant eine Bodenwelle und das Kind freut sich auf dem Rücksitz eine Wurst über das kribbelige Gefühl im Magen. Ich schalte das Radio ein.

„Endlich keine lästigen Flüge nach Deutschland mehr”, informiert uns eine werbende Stimme betont professionell. „Darmspiegelungen und umfassende Organ- und Systemchecks direkt vor Ort bei Dr. Irgendwas und Prof. Dr. Soundso. Wir sprechen Deutsch, Englisch, Russisch und Spanisch.” Der Mann und ich tauschen einen irritierten Blick. Eine neue Stimme spricht schmeichelnd zu uns: „Attraktive Möbel in großer Auswahl und solider Qualität für Ihr schönes Zuhause! 250 Parkplätze direkt vor der Tür.” Dann wechselt die Tonart – wir ahnen, jetzt wird es erst: „Schützen Sie Ihr wertvolles Eigentum! Marodierende Banden bedrohen Sie und Ihren Besitz! Sicherheitstechnik auf dem neuesten Stand mit jahrelanger Erfahrung.” Das Mann und ich bekommen zeitgleich einen Lachflash. Wir kriegen uns fast nicht mehr ein. „Was is´n das für´n Sender”, japst der Mann und wischt sich die Tränen aus den Augen. Ich brauche noch ein paar Atemzüge, um wieder Luft zu bekommen und muss auch ein paar Tränen wischen. „Inselradio”, lese ich vom Display ab. Inzwischen informiert uns eine weibliche Stimme über des Wetter in Berlin in die neuesten Entwicklungen in der Bundesliga. „Deutsche auf Mallorca: Nach der Darmspiegelung direkt in den Möbelladen und dann das ganze Zeug mit Hochsicherheitstechnik verteidigen”, bemerkt der Mann. Wir müssen wieder ein bisschen irre kichern. Obwohl wir noch gar keine Sangria hatten.

Bester Laune sausen wir weiter entspannt über die leere Landstraße. Nur hin und wieder kommt uns ein anderes Auto entgegen. Dann sehen wir auf einem sehr geraden Stück einen dieser Radfahrer seine Rennmaschine schieben. Mallorca ist voll mit Radrennfahrern – das haben wir in den letzen Tagen schon mitbekommen. Die Sonne brennt höllisch vom Himmel. Die Umgebung ist rot, heiß, einsam und staubig. Und da ackert jemand zu Fuß im knappen Leibchen und bei 38 Grad deutlich gebeugt voran. Wir überholen den gestrandeten Unglücksraben, schauen uns an und haben den selben Gedanken. Der Mann bremst scharf und wendet den Wagen auf offener Straße. Ausgerechnet jetzt kommen natürlich sämtliche Autos der Region von vorne und hintern auf uns zu. Nichts, was wir nicht mit ein bisschen souveränem Gehupe hinkriegen würden, ne.

10 Minuten später haben wir eine teure Rennmaschine mit zweifach gebrochenen Reifen teilweise zerlegt, Sitze umgeklappt, den Kofferraum maximal ausgenutzt und fahren Richtung Calla Millor. Der Radfahrer klemmt neben unserem Sohn auf der halben Rückbank. Wir können die beiden allerdings nicht sehen, weil sie unsere aufgeblasene Luftmatratze auf den Knien festhalten müssen. „Where are you from?” fragte ich nach hinten. „Norway”, antwortet die Luftmatratze. „Is this your training?” will ich wissen. „Yes”, lautet die einsilbige Antwort. Unser Fahrgast will sich offensichtlich nicht groß unterhalten, ist aber durchaus dankbar. Er beteuert, dass wir ihn in Porto Christo rauslassen können. Er würde mit dem Bus weiterkommen. Wir beteuern, dass wir ihn gern die 20 Kilometer weiter nach Calla Millor bringen. Hey, wir haben Urlaub, nichts vor und dieser Mann ist offenbar total erschöpft. Auf halber Strecke kommen wir an einem Schild mit Elefant und eindeutiger Aufschrift vorbei. Die eine Hälfte der Luftmatratze gerät auf der Rückbank prompt total außer sich: „Ein Zoo! Mama! Daaaaa! Ein Zoo! Da müssen wir hin!” Ich bin nur so semi begeistert. Ein Zoo. In Spanien. Ich bin nicht sicher, ob wir das unbedingt brauchen.

Sobald wir die Ortsgrenze von Calla Millor erreicht haben, lässt uns unser namenloser Fahrgast halten und springt aus dem Auto, bedankt sich mehrere Male und entfernt sich schnell. Offenbar hat er Angst, das er gerade 20 Minuten mit Chucky der Mörderpuppe auf der Rückbank verbracht hat. Oder er argwöhnt, dass wir ihn doch noch christlich bekehren oder teutonisch korrekt darmspiegeln wollten. Wir winken trotzdem, drehen um und machen uns auf den Rückweg. Das Kind beschwert sich derweil bitterlich über die Schweißflecken, die unser Fahrgast auf Sitz und Luftmatratze hinterlassen hat. Ich zücke die Feuchttücher aus meiner Tasche, wische alles großflächig ab und halte dem Kind dabei einen Vortrag über Hilfsbereitschaft, Leute in Not und Jungs mit schwitzigen Socken. Das Kind murrt, ist dann aber plötzlich wieder so nachhaltig enthusiasmiert wegen des Zoos, dass wir dann prompt da halten müssen.

Zoos sind für mich ja eher ein schwieriges Thema – darf man Wildtiere in Gehegen halten? Sind die Nachtzuchtprogramme für vom Aussterben bedrohte Tiere sinnvoll? Es ist schwierig, das eindeutig zu beantworten. Aber wenn man ein Kind hat, kommt man am Thema Zoo erst einmal nicht vorbei. Ich bin nicht sicher, was uns in diesem Spanischen Zoo erwarten wird. Aber wir wagen das Abenteuer.

50,– € kostet der Eintritt für zwei Erwachsene und ein Kind im Safari-Zoo. Dafür kann man aber auch den empfindlichen weißen Mietwagen mit 950,– Euro Selbstbeteiligung *ächem* auf dem Parkplatz  stehen lassen und mit von einem Transporter gezogenen Safari-Wägelchen durch die erste Hälfe des Zoos cruisen. Ganz cool eigentlich.

Der erste Teil des Zoos besteht aus einem sehr weitläufigen Gelände, auf dem sich die Tiere auf weiten Distanzen frei bewegen können. Wie sehen unter anderem Strauße, Zebras, Paviane und Antilopen – alles Arten, die mit den heißen Temperaturen sehr gut zurecht kommen. Zwei Flusspferde haben ein eigenes Gehege, das in meinen Augen größer sein könnte. Auch das Nashorn steht für sich allein  – es wäre vermutlich auch in der freien Natur ein Einzelgänger.

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Ich bin überrascht, wie gut mir die Fahrt in den offenen Wägelchen gefällt. Plötzlich schwingt sich eines der Pavian-Männchen blitzschnell in unser Wägelchen, nimmt direkt neben meiner linken Schulter Platz und schaut mir in die Augen. Dann beäugt er interessiert die Tasche neben mir auf der Bank. Schluck! Das ganze dauert nur den Bruchteil einer Sekunde und ich bin viel zu perplex, um die Kamera zu zücken. Meine Güte, sind diese Tiere groß! Dann macht sich unser Besucher mit dem roten Poschi wieder auf zu seiner Familie. Ohne unsere Tasche.

Später sehen wir, wie zwei der großen Männchen auf einem Autodach durch den Park mitfahren und sich dabei total cool und lässig am Heckspoiler festhalten. Ich habe das Gefühl, ich kann die beiden auch über die Entfernung hinweg sehr selbstzufrieden grinsen sehen.

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Irgendwann kommt unser Bähnchen am Ende des Freigeländes an. Hier beginnt der zweite Teil des Zoos. Auch hier sieht alles sehr gepflegt aus. Es gibt eine großen Kinderspielpatz, einen großzügigen Streichelzoo mit munteren Ziegen und Gänsen, eine kleines Bistro (in dem übrigens sehr schmackhafte, hausgemachte Gazpacho serviert wird) und Restrooms.

Wie sehen außerdem diverse Vogelarten, Aligatoren, Schlangen, Flamingos und Elefanten. Man hält auch Tiger und einen Löwen in Gehegen, die recht liebevoll mit Wasserfall, Spiel- und Rückzugsmöglichkeiten sowie Schattenplätzchen gestaltet und miteinander verbunden sind, damit die Tiere sich besuchen können. Ich würde sie mir größer wünschen, habe aber auch in deutschen Zoos schon ähnliches gesehen.

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Insgesamt war ich angenehm von diesem kleinen Zoo überrascht. Das Safari-Gelände mit den freilaufenden Tieren macht Spaß und der Zooteil mit Gehegen war gepflegt und machte insgesamt einen guten Eindruck. Da die Besucher sich über das Gelände verliefen, konnten wir uns in aller Ruhe alle anschauen. Für Kinder ist der Besuch auf jeden Fall spannend. Wer allerdings einen spektakulären Zoo mit außergewöhnlichen Attraktionen und supermodernen Gehegen erwartet, ist hier nicht richtig.

Safari Zoo S.L.
Carretera Porto Cristo a Son Servera, Km 5,
07680 Porto Cristo, Islas Baleares
Spanien
www.safari-zoo.com

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Und irgendwann kommen wir dann doch noch nach Porto Christo. Nachdem ich den Mann via google Maps zu einem perfekten und schattigen Parkplatz gelotst habe, laufen wir ein Stück die steile Straße zum Strand hinunter, biegen in einen kleinen Park ein (in dem auf sage und schreibe 30 Metern 6 Mülleimer stehen) und landen auf der Terrasse von einem bunt beschilderten Restaurant. Bingo! Die Aussicht ist atemberaubend und es riecht lecker. Hier verbringen wir eine angenehme Zeit und können uns an dem Panorama gar nicht sattsehen. Es ist das schönste der Welt. Zumindest habe ich in dieser Minute das ganz starke Gefühl.

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Wir nehmen das Spanische Omelette mit Salat, das Kind kann sich für einen Burger begeistern. Die französische Großfamilie am Nebentisch hat sich für Gambas und diverse Fischgerichte entschieden – alles riecht sehr lecker und sieht fantastisch aus. Eigentlich könnte ich den ganzen Tag hier sitzenbleiben. Und Essen. Und Sangria trinken.

Restaurant Flamingo
C/.Burdl, s/n
07680 Porto Cristo
Spanien
Geöffnet jeden Tag von  10:00 h – 24:00 h

 

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Irgendwann machen wir uns aber doch wieder auf, laufen die Strandpromenade entlang, essen Eis und kaufen in den vielen kleinen Läden standesgemäß Touri-Souvenirs. Als es langsam dunkel wird, holen wir den Wagen und fahren glücklich zurück „nach Hause”– in unser kleines Fischerhäuschen in Portocolom. Aber davon soll ein andermal erzählt werden.

5 Comments

  • Verdammt, wir standen mit Sicherheit 2 oder 3 mal vor dem Restaurant Flamingo, waren aber vom Äußeren abgeschreckt und hielten es für eine Touristenfalle.

    • Das kann ich gut verstehen Gilly – die Schilder haben ich auch erst bemerkt, als wir wieder gingen. Wir kamen von der anderen Seite. Sicherlich essen da viele Touristen. Aber die Leistung war echt ordentlich und kein Nepp. Dann beim nächsten Mal! :-)

  • Hach ich bin immer schrecklich hin und her gerissen was Mallorca angeht. Die Insel ist ja bekannter maßen sehr Klischeebelastet, was mich bis jetzt immer zurück schrecken ließ. Andererseits hört sich dein Tagesbericht, wenn man mal das Inselradio ignoriert ;) , so gar nicht nach Ballermann und Partytourismus an. Vielleicht sollte ich Mallorca doch mal eine Chance geben, Lust hätte ich jetzt schon ein bisschen.
    LG Laura

    LG Laura

    • Laura, ich glaube der Ballermann ist gerade mal 100 Meter lang. Es gibt wunderschöne, einsamevund touristenferne Gegenden. Also … Jenseits der Klischees reisen :-)

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