Ich hab sie vorab gesehen: „Essen erlaubt!” – die neue Comedy Show von Patric Heizmann. Review & Promotion.

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Da sitze ich also jetzt in Reihe 5 zwischen ein paar hundert anderen Menschen in der kleinen Laeiszhalle und warte darauf, dass es losgeht. Es geht um Essen. In einem Theater. Patric Heizmann möchte Hamburg vorab seine neue Comedy-Show „Essen erlaubt!” vorstellen.  Ehrlich gesagt bin ich nach wie vor unsicher, ob das ganze denn hier überhaupt das richtige Format für mich ist. Im TV sappe ich aus Versehen hin und wieder in so eine Comedy-Show, sehe brechend volle Säle mit brüllenden Menschen und bleibe hängen. Was so viele Leute lustig finden, kann für mich ja nicht komplett beknackt sein. Genau fünf Minuten kann ich mir das dann meistens antun und muss nach dem vierten geschlechterstereotypen, abgedroschenen Witz dringend wieder umschalten. Was an Frauen, die im Jahre 2016 immer noch nicht einparken können und Männer, die ihr Leben lang nur auf Möpse gucken so unfassbar witzig sein soll, erschliesst sich mir irgendwie mühsam bis gar nicht.

Aber hier geht es ja nicht um Männer und Frauen, sondern um Essen. Und der Herr Heizmann soll das Thema ja ganz amüsant verpacken. Zumindest sagen das die üblichen Internetquellen, die ich oberflächlich befragt habe. Der Saal ist auf jeden Fall proppenvoll besetzt.

Und dann betritt der Herr Heizmann elastisch die Bühne. Ein kleines Stehpult gönnt er sich als Bühnendeko und hat sich was zu Schreiben mitgebracht. Die Oberarmmuskeln spannen ein wenig unter dem gut sitzenden T-Shirt und auch das Sixpack malt sich ein bisschen unter dem Stoff ab. Die Zähne blitzen sicherlich auch noch bis in die letzte Reihe. Keine Frage – der Herr Heizmann ist gut in Schuss. Ist wahrscheinlich auch besser, wenn man lustigste Sachen über Ernährung und Essen macht.

Patric Heizmann Essen erlaubt Comedy Show

Herr Heizmann beginnt entspannt mit dem Publikum zu plaudern. Ein bisschen aufwärmen und annähern – die ersten Leute fangen an zu kichern. Und dann bekommen sie alle ihr Fett weg: die Veganer, die Vegetarier, die Fruktarier, die Intoleranten, die Mode-Diäter, die Super-Foodisten – ja, und auch die Karnivoren.

Heizmann führt dem Publikum auf launige Art vor, dass hier keiner im Saal den ersten Stein in Ernährungsdingen werfen könnte. Zu viele Halbwahrheiten, Lobbyarbeit, PR-Strategien und Pseudowissenschaft bestimmen unsere Auffassung von Essen. Spinat hat viel Eisen? Ein alter Hut. Eier sind schädlich für das Cholesterin? Gähn. Ewiges Leben ohne Fleisch. Nun ja. Wir wollen alles richtig machen, bauen uns unsere ganz eigene Wahrheit von der besten Strategie für unsere Ernährung – und stehen dann doch wieder mit Schwabbelhintern und Fettschürze vorm Spiegel. Oder lieber nicht, denn der eigene Anblick kann einem schon mal schlechte Laune machen.

Superfood ist das, was Superman morgens zum Frühstück isst.

Aber Fettschürzen sind nicht tolerabel – daran lässt Herr Heizmann keinen Zweifel. „Alles, was beim Hochspringen wackelt, muss weg” sagt er gut gelaunt. Selten habe ich so viele Leute bei der Erwähnung des Wortes „Fettschürze” lachen sehen. Unwillkürlich muss ich auf sein Sixpack luschern. Der Mann hat gut reden. Ich ahne Schlimmes. Driftet das ganze jetzt doch noch in so ein Körperkult-Dings ab? Gott sei Dank fällt dem Herrn Heizmann dann noch rechtzeitig ein, dass nicht jeder ein Sport-Freak sein kann. Belohnungsmuster in Gehirn sind halt durchaus unterschiedlich disponiert. Aber Bewegung sei schon wichtig. Eigentlich geht es ja alles nur um das eigene Wohlfühlen.

Aber Herr Heizmann weiß auch, dass wir ja eigentlich gar keine Chance haben, uns auf das eigenen Wohlbefinden in Ernährungsdingen zu konzentrieren. Hin und hergerissen zwischen vermeintlich wissenschaftlichen Wahrheiten und einer perfide agierenden Nahrungsmittelindustrie, sind wir zu Sklaven unseres eigenen Evolutionsmusters geworden. Geruchs- und Geschmacksmanipulation durch Duft- und Aromastoffe sowie Zutaten, die eigentlich gar kein Nahrungsmittel sind: Übergewicht vorprogrammiert.

Wissenschaft ist Irrtum auf dem letzten Stand.

„Essen erlaubt!”, fordert Heizmann. Und Essen schenkt uns Wohlbefinden – wenn es denn nur das richtige ist. Hört, hört! Auf die Frage, wer denn zu Hause täglich auf seine Personenwaage steige, reckt fast der ganze Saal dann die Hand in die Luft. In der Masse ist man mutiger für solche intimen Geständnisse. Allerdings zeigt sich bei einem Großteil des Publikums eher ein gemischtes Gefühl auf dem Gesicht. Personenwaagen und Wohlbefinden sind offenbar zwei Dinge, die nicht so gut miteinander harmonieren.

Und dann tauchen wir doch noch schnell in Männer- und Frauenfragen. Warum Einkaufen für Männer der blanke Horror ist und sie sich nur auf ein klar definiertes Ziel am Horizon (Mammut!) konzentrieren kann, Frauen allerdings (ganz multitaskingfähige Sammlerinnen während des Sippenmarsches) auf jedes Sonderangebot reinfallen müssen – spätestens jetzt ist es klar. Der Saal quietscht vor Vergnügen und ich lache aus vollem Hals mit. Es ist aber auch zu entzückend, wie der Herr Heizmann zierlich imaginäre Blümelein auf der Bühne pflückt.

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Ein paar Kalauer machen dann sogar die Themen Massentierhaltung und Legebatterien unterhaltungsfähig. Eine interessante Art, dem geneigten Publikum den Spiegel mit dem schwierigen Konsumverhalten vorzuhalten. Ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger und Horrorszenarien denkt man vielleicht tatsächlich mal darüber nach, ob ein Kilo Schweinefleisch für 2,99 € uns vor Glück zusammenbrechen lassen sollte. Im Moment halten wir uns auf jeden Fall erstmal die Bäuche vor Lachen.

Mit vergeht allerdings kurz das Lachen, als der Herr Heizmann doch tatsächlich von der Bühne herunter fordert, dass Frauen doch mal lieber zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern sollten. Berufstätige Frauen? Der Anfang von Sodom und Gomorrha! Bei ihm sei das Leben in Ordnung gewesen, weil Mami zu Hause geblieben wäre und sich so rührend um ihn gekümmert hätte. Und so sollte es doch auch heute bitte wieder sein. Nein sorry, Herr Heizmann, bei allem Humor – in dieser Frage kommen wir hier und heute entschieden nicht zusammen.

Dann hat der Herr Heizmann noch ein Anliegen: Er macht uns Mut, eine einzige Sache aus der Show mitzunehmen, die wir uns in unserem Alltag ab jetzt umsetzen. Wer seinen Lebensstil radikal ändern will, muss scheitern, weiß Heizmann. Aber mit einer Sache – hey, das könnte doch klappen. Egal ob wir ab morgen keine Billig-Eier mehr kaufen oder doch lieber die Treppe als den Aufzug nutzen, ein kleiner Schritt kann da ganz Großes auslösen.

Ich bezweifle, dass ein wie auch immer gearteter Schritt bei mir jemals einen Sixpack auslösen könnte. Aber zumindest hat der unterhaltsame Abend mit eine interessante Erkenntnis gebracht: Ich sollte öfter zu Comedy-Veranstaltungen gehen. Lachen in der großen Gruppe sorgt auch für eine Menge Wohlbefinden.

 

„Essen erlaubt!” – die neue Bühnenshow von Patric Heizmann.
2016 live in ganz Deutschland, in Österreich und in der Schweiz.
Infos und Tourdaten

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1 Comment

  • hach ja, der patric…
    seine frau eileen und meine ex sind beste freundinnen. daher hatten wir häufiger mal was zusammen zu tun. die waren auch ein paar mal zum essen bei uns – mann haben die reingehauen, die zwei. weiß ich noch wie heute. es gab irgendwas mit viel speck. ;-))
    war immer sehr unterhaltsam mit den beiden!

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