Bist Du schon schwanger oder hast Du noch Wasserbauch? Risiken & Nebenwirkungen einer Wasserchallenge. (Kann Spuren von Reklame enthalten.)

Luftballons Wasserbauch Wasserchallenge Shutterstock | GourmetGuerilla.de

Mit schmalen Augen beugt sich meine Freundin vertraulich zu mir rüber. „Komm, mir kannst Du´s doch sagen …” Ich bin irritiert. „Was sagen?” Ich schaue sie an. Sie lächelt verschwörerisch. „Na, das mit deinem Projekt!”. Sie betont das letzte Wort auffallend gedehnt und zwinkert. Offenbar stehe ich gerade total auf dem Schlauch. Ich versuche, Zeit zu gewinnen, falte die Serviette sorgfältig auseinander und platziere sie überordentlich auf meinem Schoß. Wie sitzen erst seit zwei Minuten bei meinem Lieblings-Mittags-Italiener in der Fensternische und schauen auf die Tageskarte. Mein Magen knurrt und auf inquisitorische Befragungen bin ich so nicht eingerichtet.

Praktischerweise erscheint in diesem Moment der Kellner und rettet mich aus meiner gedanklichen Sackgasse. Schwungvoll platziert er ein riesiges Glas mit Weißweinschorle und Eiswürfeln vor mir. „Signora – die Schorle. Wie immer!” Er zwinkert mir zu. Meine Güte, heute scheint der internationale Tag der Zwinkerer zu sein. Mein Auge zuckt auch schon nervös. Und jetzt bringt der Mann mir auch noch unaufgefordert eine Schorle. Er ist immer so stolz, dass er die Wünsche seiner Stammgäste ganz ohne Bestellung erfüllen kann. Und sonst trinke ich immer Schorle. Nur heute nicht. Ich habe Wasserchallenge – eine Woche lang verzichte ich auf Softs, Kaffee und Drinks und trinke nur Mineralwasser.

„Ähm, das ist ganz lieb von Ihnen – aber ich trinke heute nur Wasser“, flöte ich den Kellner an. „Wasser … Acqua. Si, si, Signora. Ist mit Acqua. Wie immer!” Der Mann strahlt. „Ja. Ähm. Wissen Sie – heute hätte ich gern nur Mineralwasser. Keinen Wein.” Das italienische Lächeln verrutscht. Deutlich. Ein strenger Blick trifft mich. „Kein Wein. Nur Acqua.” Das ist jetzt eher eine Feststellung, als eine Frage. „Genau!” Zur Abwechslung strahle ich ihn an. Aber der Mann ist in seiner Kellnerehre getroffen. Mit einem vernichtenden Blick nimmt er unsere Bestellung entgegen, reißt das Glas mit der Schorle vom Tisch, dreht sich um und verschwindet hinter dem Tresen. Ich habe ihm seinen Service vermasselt. Wie kann ich es auch wagen, einfach die Spielregeln zu ändern!? Ich schenke ihm über den Tresen hinweg noch ein strahlendes Lächeln, pralle aber damit ab. Puh. Ich verschwinde kurz auf dem Klo. Als ich wiederkomme steht mein Mineralwasser auf dem Tisch.

„Genau das meine ich ja”, meldet sich meine Freundin wieder zu Wort. „Hm?” Sie beugt sich wieder zu mir rüber. „Naja. Die Sache mit dem Wasser. Also, uns ist das natürlich allen schon aufgefallen, dass du jetzt nur noch Wasser trinkst. Und wir haben uns ja schon länger gefragt, wann es denn endlich noch mal so weit sein wird.” – „Na hör mal! Das ist jetzt aber schon etwas übertrieben. So viel habe ich doch nun auch nicht getrunken! Mittags mal ne Schorle … also!” Ich bin empört. Zerreißen sich da etwa Freunde hinter meinem Rücken das Maul über meinen Alkoholkonsum?

„Nee. So viel war das auch nicht. Aber ist schon besser, man verzichtet ganz drauf. Ich habe auch den Eindruck man sieht schon ein bisschen!” Sie deutet freudig auf meine Bauchgegend. „Auch wenn die Sache mit dem Klo natürlich lästig ist.”

Ich bin wieder ein bisschen versöhnt. In der Tat habe ich auch den Eindruck, dass ich ein bis zwei Kilo in der letzten Woche verloren habe. Nur Wasser trinken spart Kalorien und ich bilde mir auch ein, dass ich weniger Heißhunger auf Snacks und Co. hatte. Der einzige Nachteil ist, dass man bei über zwei Litern Mineralwasserkonsum am Tag recht häufig mal verschwinden muss.

„Was sagt denn euer Sohn dazu?”, will meine Freundin überraschenderweise wissen. Ich zögere kurz. Mein Sohn interessiert sich nicht die Bohne dafür, was ich trinke und wie oft ich auf´s Klo gehe. „Och, der ist da ziemlich gleichgültig eingestellt”, sage ich. „Tatsächlich? Naja, Jungs in dem Alter – er wird sich schon noch freuen.” Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass ich irgendetwas Entscheidendes nicht ganz mitbekomme. „Wir haben uns auf jeden Fall alle schon ganz doll gefreut! Und wie soll das Projekt denn heißen?” Schon wieder diese komische Betonung. „Wie, wie soll das heißen? Es heißt Projekt Wasserwoche. Schon immer!” Der Kellner serviert recht kühl unser Essen. Meiner Freundin greift zum Besteck. „Naja. Ok. Ich verstehe ja, dass ihr den Namen noch nicht sagen wollt. Ich habe übrigens gewettet, dass es ein Mädchen wird. Und jetzt hau rein – du musst ja jetzt für zwei essen”.

Mir fällt die Gabel aus der Hand.

„Guten Appetit!”, strahlt meine Freundin.

Warnhinweise: Bei der phasenweisen Umstellung Ihrer gängigen Trinkgewohnheiten, kann es sehr häufig zu Gewichtsverlusst sowie vermindertem Appetit auf süße und salzige Snacks kommen. Häufig wird zudem vermehrter Harndrang festgestellt. Besondere Begleiterscheinungen bei Angehörigen, Kellnern, Freunden und anderen Mitmenschen können nicht ganz ausgeschossen werden. In sehr seltenen Fällen wurde von Gerüchten um eine Schwangerschaft berichtet.

12 Comments

  • Liebe Mel,
    da muss man ja einfach weiterlesen. Eine Knallergeschichte!
    Die Sache mit dem vermehrten auf die Toilette gehen, habe ich leider auch schon festgestellt. Meine Kollegen tuscheln bestimmt auch schon hinter meinem Rücken. ;-)

    Liebe Grüße
    Tanja

  • ooohhhh weh, liebe Mel,
    wie lieb, dass du es schon aufgeschrieben hast. Ich bin vorletzte Woche auch von einer Freundin gefragt worden. „da du ja in den letzten Zügen des Studiums steckst, ist der Zeitpunkt ja nicht schlecht und der Große freut sich bestimmt.“ Habe ihr direkt deinen Beitrag geschickt. DANKE ;-)

  • Ich brech ja immer schier weg, wenn ich Deine Schreibe lese. Das Schöne ist, dass Du genauso redest. Ich lese das und denke, Du sitzt mir wie in FFM bei einem Gib..ähmm Wasser gegenüber, mampfelst Deinen Tartar in Dich rein und erzählst mir diese Story. Ich dachte übrigens damals schon, dass Du da was im Busch ist bei Dir. Herzlichen Glückwunsch ;-)

  • Schööööner Text :-)
    Aber so ein erster Kern steckt ja dahinter. Ich habe einen, sagen wir mal, unberechenbaren Magen, weshalb ich manchmal essen kann wie ein Scheuendrescher und manchmal total aufpassen muss und deshalb auch zeitweise keinen Alkohol trinke. Das ist aber in meinem Umfeld kaum möglich, ohne dass sich die Leute die Mäuler zerreissen. „Ahaaaa, kein Alkohol?! Schon klar! In deinem Alter wurde es aber auch mal Zeit“ Zwinker. „Ein kleines Sektchen geht doch? Jetzt stell dich mal net so an!“. Wieso kontrolliert mein Umfeld was ich esse und trinke? Bin ich ein Spielverderber wenn ich nicht mit der Masse schwimme?
    Diese Wasserchallenge von dir gefällt mir jedenfalls besser und besser :-)

    Liebe Grüße
    Julia

  • ´tschuldigung, aber ich fall gerade fast vom Stuhl vor Lachen :D

    Die gleiche Situation hab ich auch gehabt, als ich vermehrt mit dem Wasser trinken angefangen habe. Meine Mutter kam auch ganz verschwörerisch zu mir und hat gefragt, ob ich ihr denn etwas erzählen wollte ;)

    Das so eine Wasserchallenge aber auch immer für Verwirrung sorgt…

    GLG

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