GourmetGuerilla Küchenfliesen

Nackenkotelett

GourmetGuerilla KüchenfliesenHaben wir jemals über NACKENKOTELETT gesprochen? Seit ich mit dem Mann zusammenlebe, habe ich mir irgendwie abgewöhnt, Schwein zu essen. Ja klar, in Würstchen und Co. – auch in der Putenvariante – ist auch meistens irgendwie Schweinefleisch verarbeitet. Da fällt es aber ja nicht so auf. Fakt ist: Der Mann mag kein Schwein am Stück (weder als Filet noch als Braten oder Kotelett) und daher kommt es so gut wie nie auf den Tisch. Wenn ich koche, möchte ich mir schon ein positives Feedback abholen und nicht eine kulinarische Hürde auf den Tisch bringen. So weit, so gut.

Das alles gilt überhaupt nicht mehr, wenn ich gegrilltes Nackenkotelett wittere. Ich meine „wittere“ schon ziemlich wörtlich. Ich muss dabei immer an Cartoons von Tom und Jerry denken, wenn ein Geruch wie eine kleine lockende Welle an der Nase von Tom vorbeistreicht, der darauf prommt nicht mehr Herr seiner Sinne ist und betäubt 10 Zentimeter über dem Boden in Richtung Quelle schwebt.

Das bin ich. Wenn. Auf. Einem. Grill. Ein. Nackenkotelett. Liegt.

Das hängt übrigens mit meiner Kindheit zusammen. Natürlich. Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen (Ihr wisst schon: als alles noch in Ordnung war und man dieses Gefühl von totaler Sicherheit hatte) ist Grillen bei Oma und Opa Garten. Nein, ich habe hier kein „im“ vergessen. Oma und Opa Garten hießen so, weil sie einen Garten hinter dem Haus hatten. Für eine 5-Jährige total logisch und eindeutig. Tatsächlich hießen sie Trude und Manz.

Zwei wunderbare und bescheidene Menschen, die während des 2. Weltkriegs aus der Heimat geflüchtet sind und ihr neues Leben in einem Zechenhäuschen im Ruhrgebiet begonnen haben. Opa hat bis zu seinem 2. Herzinfarkt unter Tage auf´m Pütt malocht, während Oma die beiden Jungs großgezogen hat und köstliche böhmische Küche mit viel Butter und Knödel gekocht hat.

Und am Wochenende kam die Familie hinter dem Zechenhäuschen im Garten unter dem Fliederbaum zusammen und grillte. Dazu gab es Gurkensalat, Tomatensalat mit Maggi und Kartoffelsalat. Neben Bauchfleisch war das Nackenkotelett bevorzugtes Grillgut.

Als ich 12 wurde, endete das harmonische Paradies, als wir die Botschaft erhielten, dass Oma Krebs hatte. Eigentlich sollte alles ganz schnell gehen – aber Oma hat noch über 1 Jahr gebraucht, bis sie endlich gehen durfte. Damals war die palliative Therapie leider noch nicht sehr weit entwickelt und der Hausarzt total überfordert. Für die Familie ein sehr harter Schlag, von dem sie sich nie wieder so richtig erholt hat. Opa ging knapp 1 Jahr später.

Bis heute hat das Nackenkotelett für mich nichts von seinem Zauber verloren. Aber: Es muss gut gegrillt sein. Außen kross und ein bißchen schwarz an den Rändern (Aluschalen sind gräßlich!) und innen zart und saftig. Ein perfekter Moment! Und manchmal schon perfekt, wenn man an einem Grill mit Nackenkotelett vorbei geht.

Danke, Trude und Manz!

(Auf einer Bank im Sauerland, frühe 80er.)