Confiserie Nizza

{Travel Nizza} Death bei Chocolate auf dem Place Garibaldi

Confiserie NizzaWenn man in Nizza unterwegs ist, sollte man als Nordeuropäer nicht zu leichtfertig mit italienisch klingenden Namen umgehen. Denn unter Umständen findet man sich sonst an einer ganz anderen Stelle der Stadt wieder und versteht gar nicht warum.

In Nizza gibt es nämlich zwei Plätze, deren Namen sich bei oberflächlichem Lesen auf einer französischen Karte mit Mini-Schrift (und unter Einfluss von ein paar Gläschen Rosé zum Abendbrot) stark ähneln: der Place Grimaldi und der Place Garibaldi. Ersterer ist eher klein und unscheinbar, der zweite dagegen sehr dekorativ und einer der großen zentralen Plätze in Nizza.

Damit es in Zukunft zu keinen Verwechselungen mehr kommt und wir außerdem elegant mit italienischen Namen jonglieren können, schauen wir uns jetzt mal an, wer eigentlich diese Leute waren, nach denen die Plätze benannt sind. Bereit für ein Häppchen Geschichte?

Nehmen wir die Familie Grimaldi zuerst ein bißchen genauer unter die Lupe. Nicht umsonst taucht sie an der gesamten Cote d´Azur immer wieder auf. Die geneigte Gala-Leserin wird sich auch direkt erinnert fühlen – da war doch was?! Ja genau: Der amtierende Fürst von Monaco, Albert, entstammt eben dieser edlen Familie. Sein Vater, Fürst Ranier (der Baufürst), war mit der ebenso fotogenen wie mystifizierten amerikanischen Schauspielern Grace Kelly verheiratet.

Ursprünglich waren die Grimaldis wohl eine der großen Familien, die sich im 10. und 11. Jahrhundert mit anders gesinnten Familien um die Stadt und den „Monte Carlo“ balgten. Das war ein einziges Hausen und Stechen und die italienische Entsprechung der deutschen Auseinandersetzung zwischen Welfen und Staufern – im Prinzip ging es da um die Keilerei zwischen Kaiser und Papst, der weltlichen und kirchlichen Macht.

Auf jeden Fall fanden die Grimaldis den Felsen in der Bucht des heutigen Monaco strategisch gut gelegen sowie aus beruflichen Aspekten recht spannend und konnten ihn irgendwann auch besetzen. So errichteten Sie dort im 13. Jahhundert eine Festung mit vier Türmen, die heute noch der Wohnsitz der Grimaldis in Monaco ist (ein wenig erweitern und verschönt, versteht sich).

Man wusste sich damals auch recht gut mit den Herrschern der wichtigen Seefahrernationen zu stellen und ehelichte hier und dort entsprechend hinein. Es gab sogar eine weibliche Regentin der Grimaldis, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Monaco vorstand. Leider verstarb diese wohl aus ungeklärten Gründen noch im Jahr ihrer Thronbesteigung 1731. Über die heutigen Familienverhältnisse der Grimaldis sind wir ja bestens unterrichtet.

Zeit, sich den Place Garibaldi genauer anzuschauen: Wer ist der Herr, der mit so entschlossener Miene den Brunnen nebst Löwen und Wasserfontänen ziert?

Darf ich vorstellen – Guiseppe Garibaldi. Er war ein italienischer Guerillakämpfer mit turbulentem Lebenslauf, dessen Nachfahren heute nicht in der Gala auftauchen. Während des Deutsch-Französischen Krieges (1870–1871) führte Garibaldi eine Armee aus Freiwilligen, um die neue französische Republik zu unterstützen. Später wurde er dann von der französischen Nationalversammlung zum Deputé von Nizza ernannt. Er setzte sich allerdings dummerweise für eine Rückkehr Nizzas nach Italien ein. Nizza und Savoyen waren nämlich von Sardinien 1861 an Frankreich als Gegenleistung für militärischen Beistand im Krieg gegen Österreich abgetreten worden. Daher wurde seine Ernennung zum Deputé rückgängig gemacht. Heute darf er immerhin als Mamorstandbild auf dem Brunnen in Richtung Italien schauen und steht damit meterhoch über dem damaligen Kuddelmuddel.

Die Gebäude rund um den Platz Garibaldi befinden sich in den letzten Zügen der Restaurierung. Sie strahlen appetitlich provancialisch gelb und ihre Fassaden sind reich mit Faschen, Gesimsen, Spitz- sowie Rundbögen und kleinen Säulenvorbauten geschmückt.

Aber halt! Auf den zweiten Blick wird klar, dass wir hier einer sehr gut gearbeiteten Illusion aufsitzen. Die Gebäudefassaden sind gar nicht üppig, sondern ausgesprochen schlicht! Alle baulichen Elemente der Fassade sind detailliert und perspektivisch perfekt aufgemalt. Jetzt werden wir mißtrauisch und argwöhnen sogar, dass auch manche der Fenster nur Malermeisters Pinsel entstammen und gar nicht real sind … Hat das Gebäude überhaupt Fenster?

Aber ein sehr genauer Blick zeigt: Die Fenster und die typischen Fensterläden sind real. Nur die Fassadendekoration drumrum ist samt und sonders virtuos aufgemalt. Trotz (oder wegen) der gemalten Illusion ist der Place Garibaldi architektonisch sehr hübsch und in den Gebäuden, die den Platz begrenzen, warten eine Reihe von Restaurants, Bistros und Cafes auf Entspannung suchende Gäste.

Auch wir brauchen jetzt nach den ganzen geschichtlichen Details Entspannung. Die finden wir direkt unter den Arkaden an der westlichen Seite des Platzes:

Wir lassen uns an einem der kleinen Tischchen unter den Arkaden bei Patissier Serain Gappa nieder und genießen die Aussicht auf den Platz. Die Auswahl in den Vitrinen ist allerdings mal wieder verwirrend: Dutzende Törtchen, Pasteten, kandierte Clementinen, Pralinen und Macarons jeglicher Couleur wetteifern um unsere Aufmerksamkeit. Schließlich ordern wir Cafe au lait und diese zwei Kunstwerke der Patisserie:

Das Törtchen mit Frucht schmeckt leicht und frisch. In dem mit Mohn veredelten Teig steckt ein Kern aus fluffiger Vanillecreme. Das dunkle Törtchen ist ein einziger Traum für Schokoladefans. Wie kann man bloß eine Glasur herstellen, die so unglaublich schokoladig schmeckt, flüssig ist, fantastisch glänzt und gleichzeitig auf dem Törtchen haftet? Im Inneren verbergen sich feine Lagen von Schokokuchen mit weiteren zartschmelzenden Schokocremeschichten.

Ich schaffe trotz starkem Kaffee nur 3/4 des Törtchens und sterbe um ein Haar den glücklichsten alles Schokoladentode auf dem Place Garibaldi.

Patissier Serain Gappa
64 rue Arson
06300 Nice
Tel. +33 4 93 55 00 56